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D-Prüfungen - Warum?

D-Prüfungen - Warum?

„Ohne Fleiß kein Preis“ - das alte deutsche Sprichwort hat bis heute seine Gültigkeit nicht verloren und wer mit beiden Beinen in der Wirklichkeit steht, die allgemeinen Forderungen unserer Gesellschaft nach einer Lerngesellschaft im Auge hat, wird die Bedeutung des Satzes heute mehr denn je betonen.
 
Einsatz, Leistung und Fleiß werden verlangt, die Voraussetzungen für einen guten Preis (Lohn) sind.

Soweit - so gut! Das mag für unser berufliches Leben gelten, doch im Privatbereich sollte es ohne Druck gehen, Spaß und Entspannung den Mittelpunkt bilden. Macht es im Hinblick darauf für Jugendliche überhaupt einen Sinn, sich im außerschulischen Bereich selbst unter Druck zu setzen oder sich gar einer Prüfung zu unterwerfen? Übertragen auf die musikalische Ebene heißt die Frage: D–Prüfungen - warum?

Viele, die eine solche Überlegung anstellen, geben im gleichen Moment ihre Meinung über den Begriff: „Leistung“ bekannt. Er wird negativ empfunden und nur als Gradmesser für materielle Entlohnung gesehen. Im Hintergrund schweben zugleich noch alle Situationen, in denen man selbst eine Leistung nicht erbringen konnte.

Vorweg meine Meinung: Leistung hat sehr viele positive Elemente. Wenn die erbrachte Leistung mit einer bestandenen Prüfung dokumentiert wird, dann kann sie unser ganzes Leben beeinflussen. Dies gilt für alle Teilbereiche, so auch für die D-Prüfungen, denn - das ist meine erste These :

D-Prüfungen stellen den eigenen Leistungsstand fest und geben Orientierungshilfen im weiteren musikalischen Leben.

Die Prüfungen sind in 3 Leistungsstufen eingeteilt, in denen der heranwachsende Musiker sein instrumentales Können und sein Wissen in der Musiktheorie kontrollieren kann. So werden in der 1. Stufe (D 1) Grundtechniken auf dem Instrument und Grundwissen in der Theorie abgefragt. Bei der Leistungskontrolle bekommt der Prüfling eine Rückmeldung darüber, ob er über die fundamentalen Techniken und Kenntnisse verfügt, die wichtig für sein Weiterkommen sind. Falls nicht vorhanden, kann hier noch eine sinnvolle Korrektur erfolgen. Späteres Revidieren, wenn festgestellt wird, dass die falschen oder fehlenden Grundlagen an der Weiterentwicklung hindern, ist fast nicht mehr oder nur unter sehr großem Zeitaufwand möglich. Einleuchtende Beispiele hierfür sind: eine falsche Atmung oder ein falscher Ansatz.

So ist die D1-Prüfung zwar die einfachste, was die Anforderungen betrifft, zugleich aber die wichtigste. Denn fehlt das Fundament – um ein Bild zu gebrauchen – steht ein Haus auf unsicherem Boden und stürzt leicht ein. Zudem ist man ständig damit beschäftigt Risse, im Mauerwerk zu schließen, die einem keine Zeit lassen, sich um den Innenausbau zu kümmern, der das Wohnen erst angenehm macht und Zufriedenheit einkehren lässt.

In der 2. Stufe (D2) wird der Jungmusiker darauf vorbereitet, in einem Orchester zu spielen. Seine Spielfertigkeit, sein Gehör und rhythmisches Empfinden werden so geschult, dass er problemlos in einer Spielgemeinschaft leichte bis mittelschwere Aufgaben erfüllt. Das musikalische Vokabular ist so weit herangereift, dass er den Dirigenten versteht und dessen Anforderungen umsetzen kann. Er wird zu einer Bereicherung für das Orchester und hemmt nicht den Fortgang einer Probe, weil ihm gewissen Fertigkeiten fehlen.

Jemanden zu früh in ein Orchester zu integrieren, ist sehr problematisch. Erstens für den Jungmusiker selbst: Er merkt sofort, dass er die Anforderungen nicht bringen kann und von den anderen Mitspielern nicht akzeptiert wird. Frustration schleicht sich ein. Jede Probe wird zu einem Negativerlebnis, was in vielen Fällen dazu führt, dass der Musiker immer weniger das gemeinsame musikalische Erlebnis sucht und schließlich das Instrument an den Nagel hängt. Zweitens für das Orchester: Es wird in seiner Entwicklung gebremst. Eine musikalische Akzeptanz erfolgt nicht, wenn er auch sonst ein netter Junge oder sie ein liebes Mädchen ist. Eine negative Entwicklung wird in Gang gesetzt, die niemand will.

Die D2-Prüfung bestätigt dem Instrumentalisten einen gewissen Leistungsstand; er kann sicher gegenüber den anderen Musikern auftreten und der Dirigent weiß genau, wo er einzusetzen ist, ohne zu über- bzw. unterfordern. Die Weichen für einen positiven Prozess sind gestellt, die sehr wichtigen Orchestererfahrungen können ohne große Schwierigkeiten gesammelt werden.

Die D3-Phase richtet ihr Ziel darauf, den Musizierenden auf weitere Aufgaben im Orchester vorzubereiten. So u.a. einmal einen solistischen Part zu übernehmen oder gar ein Solowerk mit Orchesterbegleitung vorzutragen. Die musikalischen Anforderungen in diesem Bereich sind daher sehr hoch und nicht jeder arbeitet erfolgreich in dieser Stufe, weil gewisse Grenzen erreicht sind.
 
Die bestandene D3-Prüfung gibt dem Absolventen den Hinweis darauf, neben seinem Part im Orchester weitere Verantwortung zu übernehmen, z.B. als Stimm- oder Registerführer, Betreuer einer Bläsergruppe, Mithelfer beim Aufbau einer Jugendgruppe etc. Er kann jüngeren Schülern zur Seite stehen, wenn sie sich auf den theoretischen Teil einer D-Prüfung vorbereiten. Und letztlich sind seine theoretischen und praktischen Fähigkeiten eine gute Voraussetzung, die Dirigentenlehrgänge zu besuchen und erfolgreich abzuschließen.

Auf der einen Seite bedeuten die abgelegten D-Prüfungen die Festlegung des augenblicklichen Leistungsstandes, der Entscheidungshilfe für die Fort- und Weiterbildung gibt, auf der anderen Seite haben sie im späteren Leben eines Amateurmusikers eine weitere Bedeutung. Wer zeigt nicht gern nach 10 Jahren seine Urkunde und sein Leistungsabzeichen, um Anfänger anzuspornen und zu motivieren. Ein Weiteres kommt hinzu: Jeder von uns wird älter und wir Amateurmusiker haben noch mehr zu tun als zu musizieren. Die Zeit zum Üben fehlt, der Leistungsstand sinkt, ob man will oder nicht. Eine vor Jahren bestandene Prüfung bleibt eine Herausforderung. Der Gedanke: „All das hast du selbst einmal gespielt und das werde ich auch heute noch bringen.“ lässt manchen routinierten Musiker sein Instrument öfter in die Hand nehmen.

Seine eigenen Fähigkeiten zu kennen, zu wissen, wo man steht, ist nicht nur für die Persönlichkeit wichtig und bewahrt vor schmerzlichen Enttäuschungen, sondern - und dies ist meine zweite These :

D-Prüfungen sind für alle an der musikalischen Schulung Beteiligten sinnvoll, weil sie objektiv den Ausbildungsstand des Lernenden spiegeln.

Erstens für die Eltern: Sie öffnen dem Kind die Möglichkeit, sich außerhalb der allgemeinbildenden Schulen Wissen und Können anzueignen, das der Neigung und Begabung des Kindes entspricht. Die Begabungen sehen wir dem Heranwachsenden nicht an. Sie werden erkannt, wenn wir feststellen, wie schnell und mit welchem Aufwand gewisse Fertigkeiten gelernt werden. Quält sich ein Kind, muss man es zum Üben unter Druck setzen, kommt es über einen gewissen Leistungsstand nicht hinweg, sind das alles Anzeichen für die Eltern, ihren Zögling auf einem anderen Gebiet zu fördern, und zwar dort, wo seine tatsächlichen Talente liegen.
 
Die D-Prüfungen sind hier eine gute Richtschnur, um zu beobachten, in welcher Zeit und mit welchem Aufwand ein Ziel erreicht wird. Schafft ein Auszubildender trotz mehrerer Anläufe die D1-Prüfung nicht, weil hier schon die Leistungsgrenze erreicht ist, kann der Hinweis für die Erziehungsberechtigten nicht klarer sein. Das Gleiche gilt, wenn alle Prüfungen mit Bravour absolviert werden. Die Eltern erhalten eine gesicherte Information, wie sie ihr Kind fördern können.

Zweitens für den Lehrer: Er kennt den Entwicklungsstand seiner Schüler genau. Aus dem Einzelunterricht weiß er von den individuellen Problemen mit dem Instrument und gibt Hilfen, sie zu überwinden. Dies alles den außerhalb des Unterrichts Stehenden, z.B. den Eltern oder Vereinsvertretern zu vermitteln, ist nicht einfach, weil oft unterschiedliche Vorstellungen vorhanden sind. Die Anforderungen der D-Prüfungen erleichtern – neben anderen Möglichkeiten – die Kommunikation etwa in der Form: „.....Ihr Sohn muss sich noch einmal intensiv mit den Ansatzübungen beschäftigen, dann hat er keine Probleme bei der D1-Prüfung.“ Oder: „.....An den Dur- und Moll-Tonleitern müssen wir noch üben und arbeiten. Bei der Etüde kommen wir gut voran. In wenigen Monaten kann ihre Tochter sich der D2-Prüfung stellen.“
Fernerhin sind Vergleiche mit anderen möglich und der Hinweis auf ein Ziel, das gleichaltrige Schüler schon erreicht haben, motiviert nicht wenige junge Instrumentalisten.

Drittens für den Verein: Wir können alle froh sein, dass bei den meisten Vereinen die Zeit vorbei ist, in denen ein junger Mensch nach einem Jahr Ausbildung ins Orchester gesetzt wurde, egal, welchen Leistungsstand er hatte. Heute kann ein Verein seine Ausbildung an den Richtlinien der D-Prüfungen orientieren, nachvollziehbare Ziele setzen und leistungsbezogene Finanzhilfen, etwa für den Besuch von Lehrgängen, geben. So könnten junge Musiker ihre ersten Orchestererfahrungen in einer Schülergruppe sammeln, mit dem Bestehen der D1-Prüfung in das Jugendorchester wechseln und mit der D2-Prüfung das Große Orchester im Verein unterstützen. Die D3-Absolventen empfehlen sich für die Weiterbildung im Stimmführer- oder Dirigentenbereich.

Jeder, der dann eine Ausbildung mithilfe des Vereins beginnt, weiß genau, was auf ihn zukommt und kann sich danach richten.

Da die D-Konzeption nicht an Personen gebunden ist, Lehrpläne und Anforderungen offen liegen und für jeden zugänglich sind, ist eine auf die D-Prüfung ausgerichtet Schulung nicht von Vereinsveränderungen abhängig. Ob nun die Jugendleiterin oder der Dirigent wechselt, der gesamte Vorstand ausgetauscht wird, die Lehrpläne bleiben bestehen und sind für jeden leicht zu handhaben.

Ziele zu setzen und optimale Bedingungen zu schaffen, sie zu erreichen, ist nicht nur eine gute Ausgangsbasis für erfolgbringende Vereinsarbeit, sie beeinflussen auch die Musiker in ihrer Entwicklung. Und so lautet meine dritte und letzte These:

Die Absolvierung der D-Prüfungen und die Vorbereitung darauf wirken sich positiv auf die Persönlichkeit des Musikers aus.

 

Rudolf Bill

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